Keynote Philipp Depiereux

Interview - Philipp Depiereux, etventure

Digitize or Die

Was sind die derzeit spannendsten Entwicklungen bei der Digitalisierung?

Aus meiner Sicht spannender, da erfolgskritischer als die rein technologischen Entwicklungen, ist die Frage, wie Unternehmen hierzulande mit der Digitalisierung umgehen. Viele Unternehmen haben sich inzwischen auf den Weg in die digitale Zukunft gemacht. Sie forcieren interne Digitalthemen, haben einen CDO bzw. Digitalverantwortlichen und teilweise bereits ein dediziertes Digital-Team aufgebaut. Das große Problem ist allerdings die Umsetzung. Zu wissen, was man machen will, reicht nicht aus. Digitalideen sind letztlich nichts wert, wenn sie nicht umgesetzt werden.


Neben der Umsetzung ist das Thema Befähigung und Begeisterung der Kernorganisation eine zentrale Herausforderung der Unternehmen. Insbesondere in Deutschland wird die digitale Transformation häufig negativ gesehen. Mitarbeiter haben Angst davor, durch den technologischen Fortschritt ihre Jobs zu verlieren, statt die Chancen zu sehen. Unternehmen müssen ihre Mitarbeiter deshalb weiterbilden und dazu befähigen, mit neuen Technologien, Tools und Methoden zu arbeiten, um so nicht nur wertvolles Know-how aufzubauen, sondern zugleich auch Ängste abzubauen.


Welche Trends werden maßlos überschätzt?

Trends wie Künstliche Intelligenz, Blockchain, IoT, Smart Data und Industrie 4.0 sind in aller Munde. Viel zu oft beschränken sich Unternehmen aber nur auf die technologische Perspektive. In meinen Augen sind solche Trends genau dann maßlos überschätzt, wenn man den Menschen bei diesen Themen nicht aktiv mitnimmt.

Technologie muss greifbar gemacht werden, damit Menschen sie verstehen und akzeptieren. Es geht darum, den individuellen Nutzen für den Menschen in den Vordergrund zu stellen. Technologie darf keinem Selbstzweck dienen, sondern muss auf Basis konkreter Ziele und KPIs zum Einsatz kommen.


3 Tipps für Digitalisierungs-Verantwortliche, die man sofort umsetzen kann.

Erstens rate ich dazu, neue digitale Geschäftsmodelle immer außerhalb der Kernorganisation zu testen. In einem “geschützten Raum” wie einem Digital Lab oder Innovation Hub können mithilfe von Innovationsmethoden wie Design Thinking oder Lean Startup Ideen entwickelt und getestet werden. Scheitern ist erlaubt, weil es das Kerngeschäft nicht gefährdet, sondern als Chance wahrgenommen wird, aus Fehlern zu lernen.


Im geschützten Raum - und das ist gleichzeitig mein zweiter Tipp - wird nutzerzentriert und im direkten Austausch mit dem Kunden gearbeitet. Unternehmen müssen wegkommen vom klassischen Ingenieursdenken, bei dem hinter verschlossenen Türen und nach Pflichten-Lasten-Heft vermeintlich perfekte Produkte entwickelt werden, die in der Realität aber nicht den Bedürfnissen der Kunden entsprechen. Stattdessen rate ich Unternehmen: Geht raus, sprecht mit euren Kunden, lernt ihre Schmerzpunkte kennen und entwickelt Produkte, die diese lösen.


Und zu guter Letzt müssen wir gerade in Deutschland erkennen, dass eine schnelle Umsetzung der Schlüssel zum digitalen Erfolg ist. Viele Unternehmen sind eher zögerlich unterwegs, wenn es um die digitale Transformation geht. Sie scheuen das Risiko, diskutieren lange und verpassen dabei genau das, worauf es ankommt. Denn im digitalen Zeitalter ist Geschwindigkeit alles. Wer jetzt nicht handelt, für den wird es in ein paar Jahren bereits zu spät sein. 


Was dürfen wir von Deinem Vortrag auf der Digital:Relaunch erwarten?

Die Zuschauer erwartet wie immer ein Feuerwerk an Ideen, Erfahrungen und konkreten Takeaways. Ich bin überzeugt davon, dass die Digitalisierung sämtliche Branchen erfassen und bestehende Wirtschaftsmuster verändern wird - das möchte ich mit meinem Vortrag vermitteln. Neben Fakten und Insights zeige ich anhand konkreter Praxisbeispiele die Dos und Don’ts der Digitalisierung auf. Ich möchte aufrütteln, motivieren, inspirieren. Mein Fokus liegt auf der Umsetzung, mein Motto ist: Nicht reden, sondern machen!